NFRD steht für Non-Financial Reporting Directive. Gemeint ist die EU-Richtlinie 2014/95/EU zur nichtfinanziellen Berichterstattung bestimmter großer Unternehmen. Sie verpflichtete betroffene Unternehmen dazu, neben finanziellen Kennzahlen auch Informationen zu Umwelt, Sozialem, Arbeitnehmerbelangen, Menschenrechten sowie Korruption und Bestechung offenzulegen.
Die NFRD war damit ein wichtiger Vorläufer der heutigen CSRD. Während die NFRD die nichtfinanzielle Berichterstattung in Europa erstmals stärker vereinheitlichte, geht die CSRD deutlich weiter: mehr Daten, verbindlichere Standards, stärkere Prüfung und eine engere Verbindung zur Unternehmensstrategie.
Für was steht NFRD?
NFRD steht für Non-Financial Reporting Directive. Auf Deutsch spricht man von der Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung. Sie wurde 2014 auf EU-Ebene beschlossen und änderte die Bilanzrichtlinie 2013/34/EU.
Der Kern der NFRD war einfach: Große Unternehmen von öffentlichem Interesse sollten nicht nur über Umsatz, Gewinn und Bilanz berichten, sondern auch über wesentliche nichtfinanzielle Themen. Dazu gehören Umwelt, soziale Auswirkungen, Beschäftigte, Menschenrechte und der Umgang mit Korruption.
Für Unternehmen war die NFRD ein erster Schritt von freiwilliger Nachhaltigkeitskommunikation hin zu einer gesetzlichen Berichtspflicht. Sie machte Nachhaltigkeitsinformationen vergleichbarer, auch wenn sie noch deutlich weniger detailliert war als die heutige CSRD.
Was ist die NFRD Richtlinie?
Die NFRD Richtlinie ist die EU-Richtlinie 2014/95/EU. Sie verpflichtete bestimmte große Unternehmen dazu, eine nichtfinanzielle Erklärung oder einen gesonderten nichtfinanziellen Bericht zu veröffentlichen.
Betroffen waren vor allem große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Beschäftigten. Dazu zählten insbesondere kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherungen. In Deutschland wurde die Richtlinie durch das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz, kurz CSR-RUG, in nationales Recht umgesetzt.
Die offizielle Rechtsgrundlage ist die NFRD Richtlinie 2014/95/EU.
Was gehört alles zur Nachhaltigkeitsberichterstattung?
Zur Nachhaltigkeitsberichterstattung gehören Informationen, die zeigen, wie ein Unternehmen mit ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen umgeht. Unter der NFRD mussten Unternehmen vor allem über fünf Themenbereiche berichten:
| Bereich | Bedeutung im Bericht |
|---|---|
| Umweltbelange | Klima, Energie, Ressourcen, Emissionen, Umweltschutz |
| Arbeitnehmerbelange | Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Sicherheit, Gleichstellung |
| Sozialbelange | Auswirkungen auf Gesellschaft, Kunden, Regionen oder Gemeinschaften |
| Menschenrechte | Risiken in Lieferketten, Schutz vor Ausbeutung und Diskriminierung |
| Korruption und Bestechung | Maßnahmen gegen Bestechung, Compliance und interne Kontrollen |
Zusätzlich ging es um das Geschäftsmodell, Konzepte, Ergebnisse, Risiken und nichtfinanzielle Leistungsindikatoren. Ein Unternehmen sollte also nicht nur sagen, dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Es musste erklären, welche Konzepte bestehen, welche Risiken relevant sind und wie mit diesen Themen umgegangen wird.
Ist Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtend?
Ja, Nachhaltigkeitsberichterstattung ist für bestimmte Unternehmen verpflichtend. Unter der NFRD galt die Pflicht für große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Beschäftigten. In Deutschland wurde diese Pflicht seit dem Berichtsjahr 2017 über das CSR-RUG umgesetzt.
Heute ist die Frage etwas komplexer, weil die CSRD die NFRD weiterentwickelt und ersetzt hat. Unternehmen müssen deshalb unterscheiden: Geht es um alte NFRD- beziehungsweise CSR-RUG-Pflichten, um aktuelle CSRD-Regeln oder um indirekte Datenanforderungen durch Kunden, Banken oder Geschäftspartner?
Für die heutige Einordnung ist der Beitrag zur CSRD Berichtspflicht wichtig, weil dort die neue europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung und ihre aktuellen Schwellenwerte erklärt werden.
NFRD Berichtspflicht in Deutschland
In Deutschland wurde die NFRD durch das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz in deutsches Recht übertragen. Dadurch entstanden Pflichten zur nichtfinanziellen Erklärung im Lagebericht oder zu einem gesonderten nichtfinanziellen Bericht.
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex erklärt das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz als Umsetzung der NFRD in deutsches Recht.
Für Unternehmen bedeutete das: Nachhaltigkeit wurde nicht mehr nur als freiwilliger Zusatzbericht verstanden. Bestimmte Informationen mussten strukturiert offengelegt werden. Gleichzeitig blieb die NFRD im Vergleich zur CSRD noch flexibler, weil Unternehmen unterschiedliche Rahmenwerke nutzen konnten.
Welche Unternehmen waren von der NFRD betroffen?
Die NFRD betraf nicht alle Unternehmen. Der Fokus lag auf großen Unternehmen von öffentlichem Interesse. Dazu gehörten vor allem kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungen, sofern sie bestimmte Größenmerkmale erfüllten.
Typischerweise ging es um Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Entscheidend waren außerdem Unternehmensform, Kapitalmarktorientierung und öffentliche Bedeutung. Kleine und mittlere Unternehmen waren nicht direkt berichtspflichtig.
Trotzdem konnte die NFRD auch indirekt wirken. Große berichtspflichtige Unternehmen brauchten Informationen aus Lieferketten, von Dienstleistern oder Geschäftspartnern. Dadurch konnten auch kleinere Unternehmen mit Fragen zu Nachhaltigkeit, Menschenrechten, Umwelt oder Compliance konfrontiert werden.
NFRD und CSRD: Was ist der Unterschied?
Der wichtigste Unterschied zwischen NFRD und CSRD liegt im Umfang. Die NFRD war der Vorgänger. Die CSRD ist die Weiterentwicklung mit deutlich umfassenderen Anforderungen.
| Thema | NFRD | CSRD |
| Voller Name | Non-Financial Reporting Directive | Corporate Sustainability Reporting Directive |
| Fokus | nichtfinanzielle Informationen | Nachhaltigkeitsberichterstattung |
| Betroffene Unternehmen | weniger Unternehmen | deutlich breiterer und später angepasster Anwendungsbereich |
| Standards | mehr Flexibilität bei Rahmenwerken | ESRS als europäische Berichtsstandards |
| Prüfung | weniger umfassend | stärkere externe Prüfung |
| Datenqualität | weniger standardisiert | stärker vergleichbar und digital ausgerichtet |
| Begrifflichkeit | nichtfinanzielle Erklärung | Nachhaltigkeitsbericht |
Die CSRD macht Nachhaltigkeitsinformationen stärker mit der Finanzberichterstattung vergleichbar. Sie verlangt mehr Struktur, mehr Daten und eine stärkere Einbindung in Strategie, Risiko- und Unternehmenssteuerung.
Warum wurde die NFRD durch die CSRD ersetzt?
Die NFRD war ein wichtiger Anfang, hatte aber Grenzen. Berichte waren oft schwer vergleichbar, unterschiedlich detailliert und nicht immer ausreichend prüfbar. Für Investoren, Banken, Kunden und Öffentlichkeit war es deshalb schwierig, Nachhaltigkeitsleistungen verlässlich zu bewerten.
Die CSRD soll diese Lücken schließen. Sie schafft detailliertere Standards, eine klarere Wesentlichkeitsanalyse und mehr Verbindlichkeit. Dadurch sollen Nachhaltigkeitsberichte belastbarer werden.
Der Wechsel von NFRD zu CSRD zeigt auch eine sprachliche Veränderung. Früher wurde von „nichtfinanziellen Informationen“ gesprochen. Heute steht stärker der Begriff Nachhaltigkeitsberichterstattung im Mittelpunkt. Das ist sinnvoller, weil Klima, Lieferketten, Arbeitsbedingungen und Governance oft sehr wohl finanzielle Auswirkungen haben können.
Nichtfinanzielle Erklärung: Was musste berichtet werden?
Die nichtfinanzielle Erklärung musste die Informationen enthalten, die für das Verständnis von Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis, Lage des Unternehmens und Auswirkungen seiner Tätigkeit erforderlich waren.
Dazu gehörten unter anderem:
- kurze Beschreibung des Geschäftsmodells
- Konzepte zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen
- Konzepte zur Achtung der Menschenrechte
- Konzepte zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung
- Ergebnisse dieser Konzepte
- wesentliche Risiken und deren Handhabung
- bedeutsame nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Wichtig war das Prinzip „comply or explain“. Wenn ein Unternehmen zu einem Thema kein Konzept verfolgte, musste es erklären, warum kein Konzept bestand. Dadurch entstand ein gewisser Druck, Nachhaltigkeitsthemen nicht nur zu benennen, sondern auch organisatorisch zu verankern.
Welche Rolle spielte das Nachhaltigkeitsdreieck?
Die NFRD selbst ist eine Berichtspflicht. Um die Inhalte besser zu verstehen, hilft aber ein Grundlagenmodell wie das Nachhaltigkeitsdreieck. Es erklärt Nachhaltigkeit anhand von Ökologie, Ökonomie und Sozialem.
Diese drei Perspektiven finden sich auch in der Berichterstattung wieder. Umweltbelange betreffen die ökologische Dimension. Arbeitnehmer- und Sozialbelange gehören zur sozialen Dimension. Geschäftsmodell, Risiken und langfristige Tragfähigkeit betreffen die ökonomische Dimension.
Das Nachhaltigkeitsdreieck macht damit verständlich, warum Nachhaltigkeit nicht nur Umweltschutz bedeutet, sondern immer mehrere Unternehmensbereiche betrifft.
Warum reicht „nichtfinanziell“ als Begriff heute nicht mehr aus?
Der Begriff „nichtfinanziell“ war lange üblich, ist aber etwas missverständlich. Viele Themen, die früher als nichtfinanziell galten, können sehr konkrete finanzielle Folgen haben.
Ein Klimarisiko kann Produktionsstandorte betreffen. Schlechte Arbeitsbedingungen können zu Reputationsschäden, Lieferkettenproblemen oder rechtlichen Risiken führen. Korruption kann hohe Strafzahlungen und Vertrauensverluste auslösen. Menschenrechtsrisiken können Geschäftsbeziehungen gefährden.
Deshalb spricht die CSRD stärker von Nachhaltigkeitsberichterstattung. Der Begriff zeigt besser, dass Umwelt, Soziales und Governance nicht außerhalb des Geschäfts stehen, sondern Teil langfristiger Unternehmenssteuerung sind.
NFRD, CSR und Unternehmensverantwortung
Die NFRD hängt eng mit Corporate Social Responsibility zusammen. CSR bedeutet auf Deutsch unternehmerische Verantwortung. Gemeint ist, dass Unternehmen Verantwortung für ihre Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft, Mitarbeitende und Geschäftspartner übernehmen.
Die NFRD machte einen Teil dieser Verantwortung berichtspflichtig. Unternehmen sollten zeigen, welche Konzepte sie haben, welche Risiken bestehen und wie sie damit umgehen.
Das Nachhaltigkeitsviereck erweitert diesen Blick, weil es neben Umwelt, Wirtschaft und Sozialem auch kulturelle oder politische Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Gerade für Unternehmen ist das relevant. Nachhaltigkeitsberichterstattung funktioniert nicht nur mit Kennzahlen. Sie braucht auch Akzeptanz, Verantwortung, Governance und eine klare Einbindung in Entscheidungsprozesse.
Ist die NFRD heute noch wichtig?
Ja, die NFRD ist weiterhin wichtig, obwohl sie durch die CSRD abgelöst wurde. Sie erklärt, woher die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung kommt und warum Unternehmen heute deutlich umfangreicher berichten müssen.
Für ältere Berichte, CSR-RUG-Pflichten und die Entwicklung von Nachhaltigkeitsstandards bleibt die NFRD ein zentraler Bezugspunkt. Wer die CSRD verstehen will, sollte auch die NFRD kennen. Ohne diesen Hintergrund wirkt die heutige Berichtspflicht wie ein plötzlicher Bruch, obwohl sie eigentlich eine Weiterentwicklung ist.
Für Unternehmen hilft der Rückblick außerdem, bestehende Prozesse einzuordnen. Viele Daten, die früher für die nichtfinanzielle Erklärung gesammelt wurden, können eine Grundlage für heutige Nachhaltigkeitsberichte sein.
Häufige Missverständnisse zur NFRD
Ein häufiges Missverständnis ist, dass die NFRD nur Umweltberichte verlangte. Tatsächlich ging es auch um Arbeitnehmer, Soziales, Menschenrechte, Korruption und das Geschäftsmodell.
Ein zweites Missverständnis betrifft die Zielgruppe. Die NFRD galt nicht für jedes Unternehmen, sondern nur für bestimmte große Unternehmen von öffentlichem Interesse. Trotzdem wirkte sie über Lieferketten und Geschäftspartner teilweise weiter.
Ein drittes Missverständnis ist der Begriff „nichtfinanziell“. Die Themen waren nicht deshalb unwichtig, weil sie nichtfinanziell genannt wurden. Viele dieser Aspekte können langfristig erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.
Was Unternehmen aus der NFRD lernen können
Die NFRD zeigt, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung schrittweise gewachsen ist. Unternehmen, die heute mit CSRD, ESRS oder freiwilligen Standards arbeiten, bauen auf einer Entwicklung auf, die mit der nichtfinanziellen Erklärung deutlich an Fahrt aufgenommen hat.
Praktisch bedeutet das: Unternehmen sollten Nachhaltigkeitsdaten nicht erst sammeln, wenn ein Bericht fällig ist. Sie brauchen klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Kennzahlen, dokumentierte Prozesse und ein Verständnis dafür, welche Themen wirklich wesentlich sind.
Auch nicht direkt berichtspflichtige Unternehmen profitieren davon, die Logik der NFRD zu verstehen. Denn Kunden, Banken und größere Geschäftspartner fragen zunehmend nach Nachhaltigkeitsinformationen, selbst wenn keine unmittelbare gesetzliche Pflicht besteht.
Die NFRD war der Startpunkt für verbindlichere Nachhaltigkeitsberichte
Die NFRD war ein wichtiger Schritt von freiwilliger CSR-Kommunikation zu verpflichtender Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie brachte große Unternehmen dazu, nichtfinanzielle Themen systematischer offenzulegen und damit Umwelt, Soziales, Menschenrechte und Governance stärker in die Berichterstattung einzubeziehen.
Heute steht die CSRD im Mittelpunkt. Trotzdem bleibt die NFRD wichtig, weil sie die Grundlage für viele Begriffe, Prozesse und Berichtspflichten gelegt hat. Wer NFRD und CSRD zusammen versteht, erkennt besser, warum Nachhaltigkeitsberichte für Unternehmen nicht nur ein Kommunikationsinstrument sind, sondern Teil moderner Unternehmensverantwortung.
